Tunnelangst

Frau E.N., 59 Jahre, verheiratet, 1 erwachsene Tochter, kam zu mir, weil sie Probleme mit dem Autofahren hatte. Sie traute sich nicht, längere Strecken von zuhause wegzufahren oder durch Tunnels zu fahren. Im Lauf der Behandlung stellte sich heraus, dass sie auch Ängste hatte, in Urlaub zu fahren oder längere Wanderungen zu machen, weil sie befürchtete, dass etwas passieren könnte.

1. Wie geht es Ihnen heute im Vergleich zu der Zeit, in der Sie bei mir in Psychotherapie waren?

Gut. Die Ängste beim Autofahren sind weniger geworden. Ich traue mich jetzt auch an Orte zu fahren, wo ich noch nie war und Parkplatz finde ich immer einen. Ich bin mutiger, mein Selbstbewusstsein ist gestiegen. Ich fühle mich befreiter vom Druck. Die Beziehung zum Mann ist besser geworden.

2. Was hat Sie damals veranlasst mich aufzusuchen?

Das war ein längerer Prozess. Ich kannte Sie ja schon von Ihrem Kurs Progressive Muskelentspannung in Ihrer Praxis. Den hatte mir damals Dr. D.  wegen meiner Kopfschmerzen empfohlen. Als dann meine Mutter starb, war ich ganz fertig, hatte Schlafstörungen und meine Freundin hat mir geraten, eine Psychotherapie zu machen. Ich habe es erst abgelehnt, weil ich dachte, ich würde es selber schaffen.

3. Was sind aus heutiger Sicht die wichtigsten Erfahrungen, die Sie der Psychotherapie gemacht haben?

Ich habe mich erst mit dem Tod meiner Mutter beschäftigt, zu der ich ein ganz zwiespältiges Verhältnis hatte. Es war schön, dass ich doch noch einen Weg gefunden habe, mich innerlich von ihr zu verabschieden. Ich musste mich mit den „Knackpunkten“ selber beschäftigen. Sie haben es zwar mir überlassen, worüber wir sprechen, haben mich im Gespräch gut geleitet. Manchmal haben Sie mir Anregungen gegeben. Und mitunter habe ich große Augen gemacht über die Einsichten, die ich plötzlich bekommen habe.

4. Was hat Ihnen am meisten geholfen?

Einfach das Sprechen, das Angehört- Werden.  Ich konnte mich öffnen und hatte nicht mehr das Gefühl, nicht „normal“ zu sein. Die Tipps und Vorschläge und Anregungen, bis zur nächsten Sitzung etwas zu tun und die Freiwilligkeit;  ich wurde zu nichts gezwungen. Die Erklärungen, wie Ängste entstehen, haben mir sehr geholfen. Ich habe dann gemerkt, wie ich mir mit meinen negativen Gedanken selber Angst mache.

5. Haben Sie in der Psychotherapie etwas erlebt, was für Sie unangenehm oder störend war?

Ja, wie Sie von mir verlangt haben, jeden Tag mit dem Auto zu fahren, das war mir zuviel. Das habe ich nicht gemacht. Nur wenn ich wirklich etwas gebraucht habe, bin ich mit dem Auto gefahren. Auf meine Fragen, wie es Ihnen geht, haben Sie immer nur ausweichend oder oberflächlich geantwortet. Mich hätte das sehr interessiert. Man gibt doch Persönliches preis und da will man doch auch etwas vom Therapeuten wissen.

6. Wie wenden Sie das, was Sie in der Psychotherapie erfahren haben, im Alltag an?

Ich kann selbstsicherer meine Meinung vertreten, vielleicht bin ich ein „Sturkopf“ geworden. Ich kann mich wehren und habe auch ein anderes Auftreten meinem Mann und meiner Tochter gegenüber.

7. Wie beurteilen Sie unsere Zusammenarbeit?

Die war gut. Wir haben am Anfang immer eine Tagesordnung gemacht, die Therapieziele definiert und alles der Reihe nach abgearbeitet. Ihre ruhige Art war sehr angenehm.

8. Hat Ihre Umgebung Kommentare abgegeben, dass Sie sich positiv oder negativ verändert haben?

Meinem Mann gefällt es, dass ich mehr Sicherheit beim Autofahren habe. Er hat sich nur am Anfang etwas geärgert, dass mir seine Unterstützung nicht geholfen hat, sondern dass ich dafür eine Psychotherapie gebraucht habe.

9. Was haben Sie in der Psychotherapie vermisst?

Nichts, da hätte ich nachgefragt. Ich kenne keine andere Therapie.

10. War der Zeitpunkt der Beendigung richtig?

Ja. Aus damaliger Sicht schon. Jetzt habe ich zu kämpfen mit der Pensionierung meines Mannes. Damit komme ich noch nicht so ganz klar. Ich gehe einfach weg, wenn ich meine Ruhe brauche. Ich möchte aber nicht immer einen Grund haben, sondern einfach so alleine sein dürfen. Jedenfalls würde ich nicht mehr so lange warten, bis ich in eine Therapie gehe.

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